Der Atem ist im Yoga wichtiger als jede Haltung — und gleichzeitig das, was Anfänger am ehesten übersehen. Was Pranayama bedeutet, wie die Bauchatmung funktioniert und drei einfache Atemübungen für den Einstieg.
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Yoga Atemübungen: Einfache Techniken für Anfänger

Wenn ich Menschen erzähle, dass die wichtigste Yogaübung gar keine Haltung ist, ernte ich oft skeptische Blicke. Aber es stimmt: Yoga Atemübungen sind das Fundament, auf dem alles andere steht. Beim ersten Mal habe ich das selbst nicht verstanden — ich wollte die Haltungen lernen, nicht atmen. Den Atem konnte ich doch schon. Dachte ich.

Tatsächlich atmen die meisten von uns den ganzen Tag flach und unbewusst. Yoga Atemübungen drehen das um: Sie machen aus dem automatischen Atmen ein bewusstes Werkzeug, mit dem Sie Ihr Nervensystem beruhigen können. Und das Schöne daran — Sie brauchen dafür keine Matte, keine Beweglichkeit und niemanden, der zuschaut. Atmen können Sie überall.

Was bedeutet Pranayama?

Pranayama ist der Yoga-Begriff für die bewusste Steuerung des Atems. Das Wort stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus „Prana“ (Lebensenergie, Atem) und „Ayama“ (Lenkung, Ausdehnung) zusammen. Gemeint ist also nicht einfach „atmen“, sondern den Atem bewusst zu führen — ihn zu verlangsamen, zu vertiefen oder in einen bestimmten Rhythmus zu bringen.

Das klingt esoterischer, als es ist. Im Kern geht es um eine sehr körperliche Sache: Wie Sie atmen, beeinflusst direkt Ihr Nervensystem. Eine ruhige, tiefe Atmung mit verlängerter Ausatmung aktiviert den Teil des Nervensystems, der für Entspannung zuständig ist. Deshalb fühlt man sich nach ein paar bewussten Atemzügen tatsächlich ruhiger — das ist keine Einbildung, sondern Physiologie. Wie Sympathikus und Parasympathikus zusammenspielen und welche Studien das belegen, fasst die Mobil Krankenkasse in ihrem Überblick zu Atemtechniken zur Entspannung kompakt zusammen.

Für den Anfang müssen Sie sich die Sanskrit-Begriffe nicht merken. Es hilft aber zu wissen, dass der Atem im Yoga eine eigenständige Praxis ist und nicht nur Begleitmusik zu den Haltungen. Mehr zum Zusammenspiel von Atem und Bewegung habe ich in unserem Überblick zu Yoga Übungen für Anfänger beschrieben.

Die Bauchatmung — der Anfang von allem

Person sitzt aufrecht mit einer Hand auf dem Bauch und übt bewusstes Atmen

Die wichtigste Atemübung für Anfänger ist die Bauchatmung, auch Zwerchfellatmung genannt. Dabei wölbt sich beim Einatmen der Bauch nach außen, beim Ausatmen senkt er sich wieder — im Gegensatz zur flachen Brustatmung, die die meisten von uns im Alltag praktizieren.

So üben Sie es: Legen Sie eine Hand auf den Bauch und atmen Sie bewusst so ein, dass sich die Hand hebt. Der Brustkorb bleibt dabei möglichst ruhig. Beim Ausatmen sinkt die Hand wieder. Das ist der ganze Trick — und gleichzeitig erstaunlich ungewohnt, wenn man es zum ersten Mal bewusst macht. Bei mir hat es ein paar Tage gedauert, bis sich das natürlich angefühlt hat. Geben Sie sich diese Zeit.

Die Bauchatmung ist die Grundlage für alle weiteren Atemübungen und für die gesamte Yogapraxis. Wenn Sie nur eine einzige Sache aus diesem Beitrag üben, dann diese. Ein paar bewusste Bauchatemzüge wirken schon für sich genommen beruhigend — ganz ohne weitere Technik.

Ein häufiger Stolperstein am Anfang: Viele versuchen, besonders tief und kräftig zu atmen, und verkrampfen dabei. Das ist nicht das Ziel. Die Bauchatmung soll mühelos sein, fast unmerklich — eher ein sanftes Heben und Senken als ein demonstratives Ein- und Auspumpen. Wenn Sie merken, dass Sie sich anstrengen, lassen Sie wieder los und atmen Sie einfach natürlich weiter. Mit der Zeit findet der Körper den richtigen Rhythmus von selbst.

Drei einfache Atemübungen für den Einstieg

Für Einsteiger eignen sich drei Techniken besonders gut, weil sie einfach, sicher und sofort wirksam sind: die Drei-Phasen-Atmung, die verlängerte Ausatmung und die Wechselatmung. Alle drei lassen sich im Sitzen üben und brauchen keine Vorkenntnisse.

Die Drei-Phasen-Atmung füllt die Lunge vollständig: Sie atmen zuerst in den Bauch, dann in die Flanken und schließlich in den Brustkorb — in einer fließenden Bewegung. Beim Ausatmen leeren Sie in umgekehrter Reihenfolge. Schon fünf solcher Atemzüge machen einen spürbaren Unterschied und eignen sich perfekt zum Ankommen.

Die verlängerte Ausatmung ist meine persönliche Lieblingstechnik für stressige Momente. Sie zählen beim Einatmen bis vier und beim Ausatmen bis sechs. Die längere Ausatmung aktiviert den beruhigenden Teil des Nervensystems — ich nutze das tatsächlich auch in der Kita, wenn es laut und hektisch wird, und es funktioniert auch dort. Die dritte, die Wechselatmung, bei der Sie abwechselnd durch ein Nasenloch atmen, ist etwas fortgeschrittener; sie wirkt sehr ausgleichend, braucht aber ein bisschen Übung mit der Handhaltung.

Welche dieser drei Sie wählen, hängt vom Moment ab. Zum Ankommen am Morgen mag ich die Drei-Phasen-Atmung, weil sie wach macht und den Körper öffnet. Für stressige Situationen zwischendurch ist die verlängerte Ausatmung unschlagbar, weil sie unauffällig und sofort wirksam ist. Und die Wechselatmung hebe ich mir für ruhige Abende auf, wenn ich wirklich Zeit habe. Probieren Sie alle drei aus und schauen Sie, was zu Ihnen passt — es gibt hier kein Richtig oder Falsch.

Wie oft und wie lange sollten Sie Atemübungen machen?

Ruhiger Sitzplatz am Fenster für Atemübungen mit weichem Tageslicht

Schon drei bis fünf Minuten täglich genügen, um einen Effekt zu spüren. Atemübungen sind ideal, um eine Yogapraxis zu beginnen oder zu beenden — aber sie funktionieren auch völlig eigenständig, etwa morgens nach dem Aufwachen oder abends vor dem Schlafen.

Anders als bei den Haltungen brauchen Sie hier wirklich keine besondere Vorbereitung. Setzen Sie sich aufrecht hin, schließen Sie sanft die Augen und beginnen Sie. Wenn die Gedanken abschweifen — und das werden sie, bei mir schreibt der Kopf in den ersten Minuten gern Einkaufslisten — holen Sie die Aufmerksamkeit einfach freundlich zurück zum Atem. Das ist keine Schwäche, das ist die Übung.

Ein Hinweis zur Vorsicht: Übertreiben Sie es nicht. Wenn Ihnen bei einer Atemübung schwindelig wird, atmen Sie zu intensiv oder zu schnell — kehren Sie dann einfach zur normalen, ruhigen Atmung zurück. Atemübungen sollen entspannen, nicht anstrengen. Diese sanften Techniken lassen sich übrigens wunderbar mit einer kurzen Praxis verbinden, wie ich sie in unserem Beitrag zu Yoga am Morgen beschreibe.

Warum der Atem im Alltag hilft — nicht nur auf der Matte

Das Schönste an Atemübungen ist, dass sie nicht an die Matte gebunden sind. Während eine Asana einen Raum und etwas Platz braucht, können Sie bewusstes Atmen überall einsetzen — im Wartezimmer, vor einem schwierigen Gespräch, im Stau, oder eben mitten in einem lauten Kita-Vormittag. Genau das macht sie für Anfänger so wertvoll: Sie sind die direkteste Brücke zwischen Yoga und Alltag.

Was dabei passiert, ist kein Hokuspokus. Eine ruhige, verlängerte Ausatmung signalisiert dem Körper, dass keine Gefahr droht, und senkt das Erregungsniveau. Sie können das selbst testen: Atmen Sie in einem angespannten Moment fünfmal bewusst aus, jeweils etwas länger als ein, und beobachten Sie, was sich verändert. Bei den meisten Menschen löst sich zumindest ein Teil der Anspannung — sofort und ohne dass jemand etwas merkt.

Diese Alltagstauglichkeit ist auch der Grund, warum ich Anfängern rate, mit dem Atem zu beginnen und nicht mit den Haltungen. Der Atem gibt Ihnen ein Werkzeug, das Sie sofort gebrauchen können — und nimmt gleichzeitig die Scheu vor dem „richtigen“ Yoga. Wenn das Atmen vertraut ist, fühlen sich auch die Haltungen weniger fremd an. Wer das Üben von Achtsamkeit vertiefen möchte, findet bei der Techniker Krankenkasse einen guten Einstieg in achtsamkeitsbasierte Übungen für den Alltag.

Fangen Sie mit drei Atemzügen an

Der Atem ist das zugänglichste Werkzeug des Yoga — und das, das Sie sofort und überall einsetzen können. Sie brauchen keine Ausrüstung, keinen Kurs und keine Beweglichkeit, nur ein paar bewusste Minuten.

Mein Vorschlag für jetzt: Setzen Sie sich hin, legen Sie eine Hand auf den Bauch und atmen Sie dreimal bewusst ein und aus — beim Ausatmen ein bisschen länger als beim Einatmen. Das war’s für heute. Morgen machen Sie es wieder. Fangen Sie mit drei Atemzügen an. Wirklich, drei reichen.

Wenn Sie tiefer einsteigen und Atmung, Haltungen und eine erste Routine strukturiert lernen möchten, finden Sie in unserem Yoga Einstiegskurs einen ruhigen, geführten Weg. Und wenn Ihr Rücken vom vielen Sitzen verspannt ist, lohnt sich ein Blick in unseren Beitrag zu Yoga für den Rücken.

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