Außer Atem nach fünf Minuten? Beim Joggen richtig atmen ist einfacher, als die meisten denken — und meist nicht mal das eigentliche Problem. Was wirklich dahintersteckt.
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Joggen: Richtig atmen von Anfang an

„Ich kriege beim Laufen einfach keine Luft“ — das ist einer der häufigsten Sätze, die ich von Einsteigern höre. Und fast immer steckt dahinter ein kleines Missverständnis. Beim Joggen richtig atmen ist nämlich gar nicht so kompliziert, wie viele befürchten. Oft ist die Atmung sogar nur das Symptom, nicht die Ursache. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, worauf es wirklich ankommt — und warum die Lösung manchmal überraschend einfach ist.

Ich erkläre Bewegung am liebsten über das Körpergefühl statt über abstrakte Theorie. Das gilt auch fürs Atmen: Sie müssen keine komplizierten Techniken auswendig lernen. Sie müssen nur verstehen, was in Ihrem Körper passiert — dann ergibt sich der Rest fast von selbst.

Wie atmet man beim Joggen richtig?

Richtig atmen beim Joggen heißt vor allem: tief in den Bauch atmen statt flach in die Brust. Die Bauchatmung versorgt Ihre Muskulatur mit deutlich mehr Sauerstoff und beruhigt gleichzeitig den ganzen Körper. Das ist die wichtigste Grundlage — und sie kostet Sie nichts außer ein bisschen Aufmerksamkeit.

Sie können das ganz leicht überprüfen: Legen Sie im Stehen eine Hand auf den Bauch und atmen Sie tief ein. Wenn sich die Bauchdecke hebt und nicht nur der Brustkorb, machen Sie es richtig. Genau dieses Gefühl wollen Sie beim Laufen halten. Sie sollten spüren, wie der Atem unten ankommt — dann ist die Richtung stimmig.

Was viele überrascht: Ob Sie durch die Nase oder durch den Mund atmen, ist zweitrangig. Bei lockerem Tempo geht beides, bei höherer Belastung atmen die meisten ohnehin automatisch durch den Mund, weil so mehr Luft hereinkommt. Verkrampfen Sie sich also nicht an dieser Frage — Ihr Körper regelt das intuitiv. Auch die Krankenkasse DAK fasst die Grundlagen zur richtigen Atmung beim Joggen verständlich zusammen.

Ein Gedanke noch zur Bauchatmung, weil sie so oft falsch verstanden wird: Es geht nicht darum, den Bauch krampfhaft herauszudrücken. Gemeint ist eine entspannte, tiefe Atmung, bei der sich das Zwerchfell nach unten bewegt und der Atem bis in den unteren Brustraum reicht. Wenn Sie im Alltag einmal bewusst gähnen oder tief seufzen, machen Sie genau diese Bewegung — völlig automatisch. Beim Laufen wollen Sie nur dieses natürliche, tiefe Atmen beibehalten, statt in eine hektische, oberflächliche Schnappatmung zu verfallen.

Welcher Atemrhythmus funktioniert für Anfänger?

Läufer atmet tief durch beim Laufen an einem ruhigen Seeufer

Ein fester Atemrhythmus ist für Einsteiger Gold wert, weil er den Lauf strukturiert und verhindert, dass die Atmung hektisch wird. Mein Tipp für den Anfang ist der 3:3-Takt: drei Schritte lang einatmen, drei Schritte lang ausatmen. Das klingt nach Zählerei, geht aber nach ein paar Minuten in Fleisch und Blut über.

Der Vorteil dieses Rhythmus ist, dass er Sie automatisch bremst. Wenn Sie den 3:3-Takt nicht halten können, weil Sie zu sehr schnaufen, ist das ein klares Signal: Sie laufen zu schnell. So wird die Atmung gleichzeitig zu Ihrem ehrlichsten Tempomesser. Bei höherem Tempo wechseln viele später zum 2:2-Takt — aber das ist nichts, worüber Sie sich am Anfang Gedanken machen müssen.

Ich persönlich mag am rhythmischen Atmen, dass es einen fast meditativen Lauffluss erzeugt. Wenn Atem und Schritte zusammenfinden, stellt sich oft dieser angenehme Zustand ein, in dem das Laufen plötzlich leicht wird. Das ist natürlich Geschmackssache — manche zählen lieber gar nicht und laufen nach Gefühl. Beides ist völlig in Ordnung, solange Sie entspannt bleiben.

Falls Ihnen das bewusste Zählen am Anfang zu viel wird: Lassen Sie es einfach weg und achten Sie nur darauf, gleichmäßig und tief zu atmen. Der 3:3-Takt ist eine Hilfe, kein Gesetz. Viele Einsteiger nutzen ihn für die ersten Wochen als Orientierung und lassen ihn dann ganz natürlich los, sobald sich ein eigener Rhythmus eingespielt hat. Genau so soll es sein — die Technik ist nur das Gerüst, bis das Körpergefühl übernimmt.

Was hilft gegen Seitenstechen beim Joggen?

Seitenstechen ist der Klassiker unter den Anfängerproblemen — und es hängt enger mit der Atmung zusammen, als viele denken. Meist entsteht es durch eine Kombination aus zu flacher Atmung und zu hohem Tempo. Das Zwerchfell verkrampft, und schon zieht es schmerzhaft in der Seite.

Die gute Nachricht: Sie werden es meist schnell wieder los. Verlangsamen Sie das Tempo deutlich, atmen Sie ein paar Mal bewusst tief in den Bauch und drücken Sie beim Ausatmen leicht auf die schmerzende Stelle. Nach wenigen Schritten löst sich das Stechen in der Regel von selbst. Allein zu wissen, dass es harmlos ist, nimmt vielen die Angst davor.

Vorbeugen können Sie, indem Sie nicht mit vollem Magen loslaufen und das Tempo von Anfang an niedrig halten. Klingt nach wenig, reicht aber völlig — die meisten Seitenstechen verschwinden, sobald das Tempo stimmt. Hier zeigt sich wieder das Grundmuster: Viele vermeintliche Atemprobleme sind in Wahrheit Tempoprobleme.

Aus physiotherapeutischer Sicht lohnt sich noch ein Blick auf die Rumpfmuskulatur. Ein stabiler Rumpf unterstützt das Zwerchfell und macht die Atmung beim Laufen ruhiger. Das ist einer der Gründe, warum ich Einsteigern gern ein paar einfache Rumpfübungen ans Herz lege — nicht für die Optik, sondern weil eine kräftige Körpermitte das Atmen und die ganze Laufhaltung verbessert. Aber keine Sorge: Für den Einstieg müssen Sie nichts davon können. Das kommt mit der Zeit ganz von selbst, je öfter Sie laufen.

Warum die Atmung dem Tempo folgt — nicht umgekehrt

Person läuft entspannt im Morgenlicht durch eine Parklandschaft

Das ist die wichtigste Erkenntnis dieses ganzen Artikels, deshalb möchte ich sie noch einmal deutlich machen: Wenn Sie außer Atem sind, ist fast nie die Atemtechnik schuld, sondern das Tempo. Hören Sie auf Ihren Körper — der ist schlauer als jeder Trainingsplan. Und Ihr Körper sagt Ihnen über die Atmung sehr genau, ob Sie zu schnell unterwegs sind.

Der einfachste Test dafür ist der Sprechtest: Können Sie während des Laufens noch in ganzen Sätzen sprechen, stimmt das Tempo. Geht das nicht mehr, sind Sie zu schnell — egal, wie gut Ihre Atemtechnik ist. Ich habe schon viele Einsteiger erlebt, die sich wochenlang mit Atemübungen gequält haben, obwohl die Lösung einfach „langsamer laufen“ gewesen wäre. Eine ähnliche Einschätzung vertritt ein erfahrener Ultraläufer im Bergzeit-Ratgeber zum Atmen beim Laufen.

Gerade am Anfang dürfen Sie ruhig so langsam laufen, dass es sich fast wie zügiges Gehen anfühlt. Aus dieser entspannten Basis heraus wächst Ihre Ausdauer — und mit ihr kommt die Luft ganz von selbst. Wie Sie Ihr Tempo über den Puls steuern und welche Geschwindigkeiten für Einsteiger sinnvoll sind, finden Sie in unserer Übersicht zur Joggen-Geschwindigkeit.

Mein Fazit

Beim Joggen richtig atmen ist keine Geheimwissenschaft: tief in den Bauch atmen, einen ruhigen Rhythmus finden und vor allem langsam genug laufen, damit die Atmung mitkommt. Probieren Sie beim nächsten Lauf bewusst den 3:3-Takt aus — und wenn er nicht klappt, drosseln Sie einfach das Tempo.

Wenn Sie sich generell für den Laufeinstieg interessieren, habe ich in unserem Ratgeber Joggen für Anfänger alles Wichtige zusammengefasst — von der Technik über den Trainingsaufbau bis zum Verletzungsschutz. Und wer das Thema strukturiert von Grund auf lernen möchte, findet im Joggen-Einstiegskurs einen klaren Weg vom ersten Schritt bis zum Dauerlauf.

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