Fernmitgliedschaft im Golf: Lohnt sich das Modell?
Als ich mich im zweiten Jahr ernsthaft gefragt habe, ob ich einem Club beitreten soll, hat mich eine Kollegin beim Kaffee mit einer Zwischenfrage aufgehalten: „Hast du schon mal an eine Fernmitgliedschaft gedacht?“ Ich hatte den Begriff gehört, aber nicht verstanden — und stelle jetzt fest, dass es vielen Einsteigerinnen und Einsteigern genauso geht. Die Fernmitgliedschaft ist in Deutschland eine verbreitete, aber erstaunlich wenig erklärte Lösung für das Problem, wie man offiziell in den Golfsport einsteigt, ohne sofort 2.000 Euro für eine Vollmitgliedschaft auszugeben.
Eine Fernmitgliedschaft im Golf ist eine offizielle Clubmitgliedschaft ohne Heimatrecht auf einem bestimmten Platz. Sie zahlen einen deutlich reduzierten Jahresbeitrag — typisch 300 bis 600 Euro — und erhalten dafür die DGV-Mitgliedskarte, die Sie für die Handicap-Pflege und für günstigere Greenfees an anderen Anlagen benötigen. Sie dürfen auf dem Fernclub nicht einfach spielen kommen, wann Sie wollen, oder tun es zu einem erhöhten Satz. Dafür spielen Sie an anderen Plätzen in Deutschland mit dem Rabatt, den sonst nur Mitglieder bekommen.
In diesem Artikel zeige ich, wie das Modell funktioniert, was es konkret kostet, für wen es sich lohnt und wo die Grenzen liegen. Am Ende haben Sie eine klare Entscheidungsgrundlage — und wissen auch, wann eine Fernmitgliedschaft die falsche Wahl wäre.
Was ist eine Fernmitgliedschaft im Golf genau?
Eine Fernmitgliedschaft ist eine Mitgliedschaft in einem Golfclub, bei der Sie den offiziellen Mitgliedsstatus und die DGV-Karte erhalten, aber kein unbeschränktes Spielrecht auf dem Heimatplatz haben. Sie bezahlen einen reduzierten Jahresbeitrag (typisch 300 bis 600 Euro statt 1.200 bis 2.500 Euro für eine Vollmitgliedschaft) und nutzen den Club in erster Linie als administrative Heimat — nicht als regelmäßige Spielstätte.
Der Kern des Modells liegt im deutschen Golfverband (DGV). Um in Deutschland offiziell Golf zu spielen, Handicap zu führen, an Turnieren teilzunehmen oder vergünstigte Greenfees bei Kooperationsplätzen zu bekommen, brauchen Sie eine DGV-Mitgliedskarte. Diese Karte erhalten Sie nur über die Mitgliedschaft in einem Club, der dem DGV angeschlossen ist. Fernmitgliedschaften sind die günstigste Variante, an diese Karte zu kommen — sie sind keine Schlupflöcher, sondern ein anerkanntes, von vielen Clubs selbst angebotenes Modell.
Was Sie mit der Fernmitgliedschaft konkret bekommen: den offiziellen DGV-Ausweis, Handicap-Führung durch den Club, die Berechtigung zur Teilnahme an vorgabewirksamen Runden (EDS) auf jedem DGV-Platz, ermäßigte Greenfees an allen Plätzen, die mit Ihrem Fernclub Kooperationen haben oder die allgemein DGV-Mitgliederrabatt gewähren — und in den meisten Fällen die Einladung zu ein oder zwei Turnieren pro Jahr im Fernclub selbst.
Was Sie nicht bekommen: das uneingeschränkte Spielrecht auf dem Heimatplatz. Je nach Club variieren die Regeln — manche erlauben eine bestimmte Anzahl Runden im Jahr zum reduzierten Greenfee, andere verlangen auch von Fernmitgliedern das volle Greenfee. Das müssen Sie im Einzelfall prüfen. Ebenfalls nicht automatisch enthalten: der volle Zugang zu allen Übungseinrichtungen, regelmäßige Trainerstunden oder Caddiehaus-Zugang. Das sind oft Extras, die nur Vollmitglieder genießen.
Was kostet eine Fernmitgliedschaft im Golf?
Die Fernmitgliedschaft im Golf kostet in Deutschland zwischen 280 und 650 Euro pro Jahr, je nach Anbieter. Die Preisspanne erklärt sich aus dem Umfang der Zusatzleistungen — reine DGV-Verwaltungsmitgliedschaften sind am günstigsten, Angebote mit einigen eigenen Spielrechten und Turnieren teurer. Dazu kommen in den meisten Fällen eine einmalige Aufnahmegebühr zwischen 0 und 200 Euro und manchmal ein Umlage-Beitrag zur DGV-Karte (rund 30 Euro jährlich).
Konkret gibt es drei Anbietertypen, die ich in der Praxis sehe. Der erste sind regionale Clubs, die Fernmitgliedschaften gezielt als Einsteigerangebot vermarkten. Typischer Preis: 300 bis 450 Euro pro Jahr, oft mit 2 bis 4 Freirunden inklusive und einer Einladung zum Jahresturnier. Der zweite Typ sind spezialisierte „Fernmitgliedschafts-Clubs“ — Clubs, deren Geschäftsmodell gezielt auf Fernmitglieder ausgelegt ist. Sie haben oft Hunderte Fernmitglieder, sehr günstige Preise (280 bis 380 Euro) und eine rein digitale Verwaltung. Der dritte Typ sind Premium-Clubs, die eine Fernmitgliedschaft mit Clubstatus und vielen Extras bieten — 500 bis 650 Euro, aber mit Handicap-Turnieren, Clubhaus-Nutzung und einer gewissen sozialen Einbindung.
Ein Kostenaspekt, den viele Einsteigerinnen und Einsteiger übersehen: das Greenfee. Mit der DGV-Karte bekommen Sie an vielen deutschen Plätzen 20 bis 40 Prozent Rabatt auf das reguläre Greenfee. Wenn Sie 15 Runden im Jahr auf verschiedenen Plätzen spielen und pro Runde 15 Euro sparen, amortisiert sich die Fernmitgliedschaft schon über diesen Effekt — unabhängig vom Spielrecht auf dem Heimatplatz. Diese Rechnung ist für viele das eigentliche Argument fürs Modell, nicht die Mitgliedschaft an sich.
Eine wichtige Einordnung: Der Preisvergleich zur Vollmitgliedschaft (1.200 bis 2.500 Euro im Jahr) wirkt spektakulär, ist aber irreführend, wenn man die Leistungen nicht gegenüberstellt. Für eine Vollmitgliedschaft spielen Sie so oft, wie Sie wollen, auf Ihrem Heimatplatz — ohne zusätzliches Greenfee. Wer zwei- oder dreimal pro Woche denselben Platz spielen will, fährt mit der Vollmitgliedschaft deutlich besser. Die Fernmitgliedschaft ist die richtige Wahl, wenn Sie verschiedene Plätze ausprobieren möchten oder Ihren Sport eher lose betreiben. Das ist eine andere Frage, keine Rabattfrage.
Wenn Sie noch am Anfang stehen und unsicher sind, welches Spielmuster sich bei Ihnen einstellt, finden Sie im Überblicksratgeber zu Golf für Anfänger die drei deutschen Anlagenmodelle (privater Club, öffentliche Anlage, Fernmitgliedschaft) im Vergleich ausführlicher beschrieben. Und wenn Sie die Platzreife noch vor sich haben, lohnt vorher ein Blick in meinen Leitfaden zur Platzreife im Golf — die Fernmitgliedschaft wird erst danach wirklich relevant.
Für wen lohnt sich eine Fernmitgliedschaft?
Eine Fernmitgliedschaft lohnt sich besonders für drei Gruppen: für Einsteigerinnen und Einsteiger im ersten Jahr, die noch nicht wissen, wie oft sie spielen werden; für Gelegenheitsspielerinnen und Gelegenheitsspieler mit 10 bis 30 Runden pro Jahr; und für Menschen, die gerne auf verschiedenen Plätzen spielen, statt sich an einen Heimatclub zu binden.
Zur ersten Gruppe — den Einsteigerinnen und Einsteigern. Direkt nach der Platzreife ist die Fernmitgliedschaft aus meiner Sicht fast immer die beste Wahl. Sie bekommen den DGV-Status, können Handicap sammeln und bezahlen pro Runde. Wer feststellt, dass er oder sie nur zehn Runden im Jahr spielt, hat dafür insgesamt zwischen 600 und 1.400 Euro ausgegeben statt der 2.000-plus Euro einer Vollmitgliedschaft. Wer feststellt, dass Golf wirklich der große Sport wird, kann nach einem Jahr in eine Vollmitgliedschaft wechseln — mit deutlich besserer Kenntnis, welcher Club der richtige ist.
Zur zweiten Gruppe — den Gelegenheitsspielerinnen und Gelegenheitsspielern. Wer realistisch eine bis zwei Runden pro Monat spielt (das sind die meisten berufstätigen Erwachsenen mit Familie), fährt mit Fernmitgliedschaft plus Greenfees unterm Strich deutlich günstiger. Rechenbeispiel: 15 Runden im Jahr à 50 Euro Greenfee mit Rabatt plus 380 Euro Fernmitgliedschaft — macht 1.130 Euro. Eine Vollmitgliedschaft mit Jahresbeitrag 1.800 Euro und drei Greenfees auf Auswärtsplätzen à 90 Euro wäre 2.070 Euro. Der Unterschied sind 940 Euro im Jahr — bei identischem Spielumfang.
Zur dritten Gruppe — den Plattformwechslerinnen und -wechslern. Wer gerne verschiedene Plätze spielt, etwa auf Reisen oder in Kombination mit Besuchen bei Freunden an verschiedenen Orten in Deutschland, profitiert am stärksten. Eine Vollmitgliedschaft an einem Club fesselt Sie emotional und ökonomisch an diesen einen Platz. Die Fernmitgliedschaft lässt Sie jeden Monat einen anderen Platz ausprobieren, mit DGV-Rabatt überall.
Eine vierte Gruppe, die ich immer wieder treffe, aber vorsichtig erwähne: Menschen, die aus steuerlichen oder repräsentativen Gründen in einem angesehenen Club geführt werden wollen, ohne dort tatsächlich viel zu spielen. Das gibt es — bestimmte Clubs vermarkten gezielt Fernmitgliedschaften, die einen bekannten Clubnamen auf der Karte erscheinen lassen. Ehrlich gesagt ist das nicht meine Motivation, und ich würde es auch niemandem raten; aber es ist ein realer Grund, warum manche Leute die Fernmitgliedschaft wählen. Wenn das für Sie relevant ist, müssen Sie wissen, dass viele dieser Clubs deutlich höhere Aufnahmegebühren und Mindestlaufzeiten haben.
Für wen ist die Fernmitgliedschaft nicht das Richtige?
Nicht geeignet ist die Fernmitgliedschaft für drei Gruppen: für Vielspielerinnen und Vielspieler mit 50+ Runden im Jahr auf demselben Platz, für Menschen, die vor allem wegen der sozialen Gemeinschaft Golf spielen wollen, und für alle, die die Übungsinfrastruktur eines Clubs (Range, Pro, Übungsgrün) regelmäßig und kostenfrei nutzen möchten.
Wer wirklich ernsthaft und regelmäßig spielt — sagen wir zwei oder mehr Runden pro Woche auf demselben Platz — zahlt mit Fernmitgliedschaft plus Greenfees deutlich drauf. Bei 80 Runden im Jahr à 50 Euro Greenfee mit Rabatt plus 380 Euro Mitgliedschaft sind Sie bei 4.380 Euro. Eine Vollmitgliedschaft für 1.800 Euro inklusive unbegrenztem Spielrecht wäre das Doppelte günstiger. Ab dieser Spielfrequenz rechnet sich die Vollmitgliedschaft immer — nicht nur finanziell, sondern auch durch die Nähe zum Club, die Trainer-Kontinuität und den einfachen Zugang.
Wer Golf vor allem wegen der Gemeinschaft spielt — Clubhaus-Treffen, Turnierwochenenden, Bekanntschaften, der Austausch mit Mitspielerinnen und Mitspielern — wird mit einer reinen Fernmitgliedschaft nicht glücklich. Auf dem Fernclub sind Sie administrativ geführt, aber faktisch Gast. Andere Plätze, wo Sie mit DGV-Karte spielen, sind ebenfalls fremd. Wenn das soziale Element für Sie zentral ist, investieren Sie lieber in die Vollmitgliedschaft eines Clubs, der zu Ihnen passt.
Und wer die Übungsanlagen regelmäßig nutzen will — Driving Range, Übungsgrün, Pitching-Bereich, Trainerstunden mit dem Club-Pro — kommt um eine Vollmitgliedschaft oder zumindest eine Aktivmitgliedschaft im lokalen Club nicht herum. Fernmitgliedschaften beinhalten in der Regel keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zu diesen Anlagen. Sie müssten auf öffentlichen Driving Ranges üben, was möglich ist, aber weniger komfortabel.
Ein Sonderfall: die Schnuppermitgliedschaft. Viele Clubs bieten inzwischen 3- bis 6-monatige Schnuppermitgliedschaften für 150 bis 400 Euro mit vollem Zugang zu allem — Platz, Range, Trainer, Übungsgrün. Aus meiner Sicht ist das oft das bessere erste Jahr als eine reine Fernmitgliedschaft, wenn Sie wissen, dass Sie im ersten Halbjahr häufig spielen wollen. Nach dem Ende der Schnuppermitgliedschaft können Sie immer noch entscheiden: Vollmitgliedschaft weiter im selben Club, oder Wechsel in eine Fernmitgliedschaft.
Worauf Sie beim Fernmitgliedschafts-Vergleich achten sollten
Nicht jede Fernmitgliedschaft ist gleich — und der reine Preisvergleich verbirgt oft die wichtigen Unterschiede. Fünf Kriterien helfen Ihnen, das richtige Angebot zu finden.
Erstens: Aufnahmegebühr und Mindestlaufzeit. Manche Clubs verlangen eine einmalige Aufnahmegebühr von 100 bis 300 Euro zusätzlich zum Jahresbeitrag. Andere haben eine Mindestlaufzeit von zwei oder drei Jahren. Für den ersten Test ist das kontraproduktiv — suchen Sie einen Anbieter ohne Aufnahmegebühr und mit jährlicher Kündbarkeit.
Zweitens: Regelung für Heimatplatz-Runden. Ein Club, der Fernmitgliedern pro Jahr 4 Freirunden oder dauerhaft 50 Prozent Rabatt auf Greenfees einräumt, bietet mehr als einer, bei dem Sie als Fernmitglied exakt dasselbe zahlen wie jeder Gast. Fragen Sie konkret nach den Konditionen für Fernmitglieder auf dem Heimatplatz.
Drittens: Kooperationsplätze. Einige Fernmitgliedschafts-Clubs haben Netzwerke mit zehn, zwanzig oder mehr Partnerplätzen, auf denen Sie besonders günstige Greenfees bekommen. Wenn einer dieser Kooperationsplätze in Ihrer Nähe liegt, ist das ein starkes Argument. Besorgen Sie sich vor der Entscheidung die Liste der Kooperationspartner.
Viertens: Verwaltungskomfort. Ist die Handicap-Führung digital und unkompliziert? Bekommen Sie Ihre DGV-Karte schnell nach Beitritt? Wie läuft die Abrechnung von Greenfees bei Partnerplätzen? Die administrativen Kleinigkeiten werden erst dann wichtig, wenn sie schiefgehen. Ein Blick in Online-Bewertungen hilft — nicht die Plätze selbst, sondern die Verwaltung der Fernmitgliedschaft wird dort oft diskutiert.
Fünftens: Austrittsbedingungen. Prüfen Sie die Kündigungsfrist. Drei Monate zum Jahresende ist Standard, aber manche Clubs verlangen sechs Monate oder längere Laufzeiten. Im ersten Jahr sollten Sie flexibel bleiben können, falls Sie auf eine Vollmitgliedschaft oder einen anderen Fernclub wechseln wollen.
Als Ausgangspunkt für die Recherche empfehle ich die Anbieterübersicht auf golf.de — dort finden Sie die DGV-gelisteten Clubs mit Fernmitgliedschaftsangeboten. Für einen ehrlichen Vergleich verschiedener Modelle schaue ich gerne in Ratgeberartikel bei Golf Post, wo Fernmitgliedschaften und ihre Vor- und Nachteile regelmäßig aktualisiert besprochen werden.
Mein Fazit
Die Fernmitgliedschaft ist im deutschen Golfsport das sinnvollste Einsteigermodell für alle, die im ersten Jahr noch nicht wissen, wie viel sie wirklich spielen werden — und für Gelegenheitsspielerinnen und Gelegenheitsspieler mit unter 30 Runden pro Jahr. Für 300 bis 600 Euro jährlich erhalten Sie die offizielle DGV-Karte, günstigere Greenfees und die Möglichkeit, Handicap zu sammeln, ohne sich an einen bestimmten Platz zu binden.
Falls Sie diese Flexibilität im ersten Jahr brauchen, ist der Ablauf einfach: Platzreife machen, Fernmitgliedschaft abschließen, verschiedene Plätze ausprobieren, nach zwölf Monaten Bilanz ziehen. Wenn Sie dann merken, dass Golf wirklich Ihr Sport ist und ein bestimmter Club Sie überzeugt hat, wechseln Sie in die Vollmitgliedschaft — mit deutlich besserer Entscheidungsgrundlage als zu Anfang.
Wenn Sie gerade erst mit dem Thema starten und noch vor der Platzreife stehen, empfehle ich Ihnen meinen Leitfaden zur Platzreife im Golf als nächsten Schritt. Und wenn Sie noch überlegen, was Sie an Schlägern und Ausrüstung brauchen, finden Sie im Beitrag zur Golfausrüstung für Anfänger eine ehrliche Einordnung — gebraucht und halbes Set reicht für das erste Jahr völlig.
Wenn Sie den Golf-Einstieg strukturiert von Grund auf lernen möchten — mit Übersicht zu Ausrüstung, Grundschwung, Regeln und der ersten Runde, plus Kurzreferenz zum Mitnehmen auf den Platz — werfen Sie einen Blick auf unseren Golf-Einstiegskurs.
