Filmdreh vorbereiten: So planen Sie Ihren ersten Dreh
Ein guter Drehtag fühlt sich fast langweilig an. Alle wissen, was zu tun ist, die Einstellungen sind klar, und am Ende ist man früher fertig als gedacht. Klingt unspektakulär — ist aber das Ergebnis einer guten Vorbereitung. Und genau die ist beim Filmemachen der Teil, den Einsteiger am liebsten überspringen. Verständlich, denn Planung fühlt sich nicht nach „echtem“ Filmemachen an. Aber die film vorbereitung entscheidet mehr über das Ergebnis als jede Kamera.
Was mir dabei wirklich geholfen hat, war die Einsicht: Ein Drehtag ist teuer — nicht unbedingt in Geld, aber in Zeit, Nerven und der Geduld aller Beteiligten. Was man vorher klärt, muss man am Set nicht ausdiskutieren. In diesem Beitrag gehe ich die Vorbereitung so durch, wie ich sie mir am Anfang gewünscht hätte: praktisch, ohne unnötigen Papierkram, aber mit den Dingen, die wirklich zählen.
Was gehört zur Vorbereitung eines Films?
Zur Vorbereitung gehören vier Dinge: die Idee festzurren, die Bilder planen, den Ablauf organisieren und die praktischen Dinge klären. In der Fachsprache heißen die Werkzeuge dafür Drehbuch, Storyboard, Shotlist und Drehplan — aber lassen Sie sich von den Begriffen nicht abschrecken. Wer beim Storyboard nicht weiterweiß, findet bei den Erklärhelden eine Schritt-für-Schritt-Anleitung samt kostenloser Vorlage.
Im Kern beantworten diese vier nur eine Frage: Was brauche ich, um meine Geschichte zu erzählen? Das Drehbuch hält fest, was passiert und gesprochen wird. Das Storyboard ist eine simple Skizze, wie die wichtigen Bilder aussehen sollen — Strichmännchen reichen völlig, niemand bewertet Ihre Zeichenkünste. Die Shotlist ist eine Liste aller Einstellungen, die Sie brauchen. Und der Drehplan legt fest, was wann und wo gedreht wird.
Klingt erstmal abschreckend, aber im Grunde ist es gar nicht so wild. Für ein kleines Projekt passt das alles auf zwei Seiten. Der Sinn ist nicht, möglichst viel Papier zu produzieren, sondern den Kopf frei zu bekommen: Was Sie aufgeschrieben haben, müssen Sie am Drehtag nicht mehr im Kopf jonglieren.
Es hilft, die film vorbereitung als Teil eines größeren Ablaufs zu sehen. Eine Produktion gliedert sich klassisch in drei Phasen: die Vorproduktion mit allem, was vor dem Dreh passiert, die eigentliche Produktion am Drehtag und die Postproduktion mit Schnitt und Nachbearbeitung. Die Vorbereitung ist also nicht ein lästiger Vorlauf, sondern eine eigene, vollwertige Phase — und oft die, in der die wichtigsten Weichen gestellt werden. Wer hier sauber arbeitet, hat es in den beiden folgenden Phasen deutlich leichter.
Wie wird aus einer Idee ein Drehplan?
Indem Sie Ihre Idee in immer konkretere Stücke zerlegen. Der Weg führt von der groben Idee über die einzelnen Szenen zu den konkreten Einstellungen — und erst die ordnen Sie dann nach Drehort und Tageszeit.
Fangen Sie mit der Logline an: ein bis zwei Sätze, die Figur, Ziel und Hindernis benennen. Wenn Sie die nicht hinbekommen, ist die Idee noch nicht reif — und dann hilft auch der schönste Drehplan nichts. Erst wenn klar ist, worum es geht, überlegen Sie, in welche Szenen die Geschichte zerfällt. Und pro Szene fragen Sie sich: Welche Bilder brauche ich, damit das funktioniert? Eine Totale, um den Ort zu zeigen? Eine Nahaufnahme für die Emotion?
Das Ergebnis ist Ihre Shotlist. Auf ihr steht jede Einstellung mit ihrer Größe und der Kamerabewegung. Und jetzt kommt der Trick, der den Unterschied macht: Sie sortieren diese Liste nicht in der Reihenfolge des Films, sondern nach Drehort. Alle Einstellungen am selben Ort werden hintereinander gedreht, egal wo sie später im Film auftauchen. Das spart enorm Zeit — und verhindert, dass Sie feststellen, dass Sie eine Einstellung vergessen haben, als der Ort längst nicht mehr verfügbar ist.
Wie genau man Einstellungsgrößen einsetzt und welche Bildwirkung dahintersteckt, ist ein Thema für sich — einen Überblick über das große Ganze finden Sie in unserem Ratgeber Filmemachen für Anfänger.
Was vergessen Anfänger bei der Vorbereitung am häufigsten?
Den Ton, die Genehmigungen und die Akkus. Das sind die drei Klassiker, und ich habe sie selbst alle einmal durch. Es sind keine kreativen Fragen, aber sie können einen ganzen Drehtag ruinieren.
Beim Ton denken viele erst am Set darüber nach — und stellen dann fest, dass der Ort hallt, die Straße zu laut ist oder das Handymikrofon den Wind aufnimmt. Überlegen Sie schon bei der Ortswahl, wie es dort klingt. Ein optisch perfekter Drehort mit furchtbarer Akustik ist oft die schlechtere Wahl.
Bei Genehmigungen wird es schnell rechtlich. Wer auf privatem Gelände, in Geschäften oder an manchen öffentlichen Orten dreht, braucht eine Erlaubnis. Und wer Menschen filmt, braucht ihr Einverständnis — das gilt auch für Passanten im Hintergrund. Das ist kein Detail, sondern kann später echte Probleme machen, gerade wenn Sie den Film veröffentlichen wollen. Einen verständlichen Überblick, wann und wo man eine Drehgenehmigung braucht, bietet das Medienrecht-Portal von NRWision.
Und dann die Technik: geladene Akkus, leere Speicherkarten, ein Ersatz für beides. Probieren Sie es einfach mal aus — schlimmer als mein erster Versuch kann es kaum werden, bei dem die Karte nach zwanzig Minuten voll war und ich den Rest des Tages Material gelöscht habe, um weiterdrehen zu können. Eine kurze Checkliste am Abend vorher erspart Ihnen diesen Stress.
Diese drei Punkte gehören zu jeder film vorbereitung dazu, egal wie klein das Projekt ist. Sie sind unspektakulär, kosten kaum Zeit und sind doch genau die Stellen, an denen erfahrene Filmemacher ihre Routine entwickelt haben — nicht weil es Spaß macht, sondern weil sie alle einmal den Tag erlebt haben, an dem genau das gefehlt hat. Man lernt diese Lektionen meist genau einmal.
Wie viel Vorbereitung braucht ein kleines Projekt wirklich?
Weniger, als die Profis-Tutorials suggerieren, aber mehr als null. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt auf das Projekt an. Und das ist keine Ausrede, sondern der eigentliche Punkt.
Für ein spontanes Handyvideo, das Sie allein drehen, reicht eine grobe Vorstellung im Kopf und vielleicht drei Stichworte. Sobald aber mehr als eine Person beteiligt ist oder Sie an einen bestimmten Ort gebunden sind, lohnt sich eine schriftliche Shotlist. Und je mehr Menschen mitmachen, desto wichtiger wird der Drehplan — einfach, weil andere Leute ihre Zeit für Sie freihalten und Sie diese Zeit nicht mit Organisieren verbrennen wollen.
Meine Empfehlung für den ersten richtigen Dreh: eine Seite Shotlist, eine grobe Reihenfolge nach Drehort, und eine Liste mit der Technik, die mit muss. Mehr nicht. Diese drei Dinge fangen 90 Prozent der typischen Probleme ab, ohne dass die Vorbereitung sich anfühlt wie ein Bürojob. Wer tiefer einsteigen will, kann sich danach an Storyboards und ausführliche Drehbücher wagen — aber das ist Kür, nicht Pflicht.
Wenn Sie sich übrigens fragen, mit welcher Ausrüstung Sie überhaupt loslegen sollten, schauen Sie in unseren Beitrag Selber Filme machen: Welche Ausrüstung Sie wirklich brauchen — und wie man sich das Ganze sinnvoll beibringt, steht in Filmemachen lernen für Einsteiger.
Mein Fazit zur Drehvorbereitung
Vorbereitung ist der unsichtbare Teil des Filmemachens — man sieht sie im fertigen Film nicht, aber man merkt sofort, wenn sie gefehlt hat. Der wackelige Schwenk, der vergessene Gegenschuss, der unbrauchbare Ton: Das sind selten Talentfragen, sondern fast immer Planungsfragen.
Ich gebe ehrlich zu, dass ich selbst lange ein Vorbereitungsmuffel war und lieber direkt drauflosgedreht habe. Was mich überzeugt hat, war nicht die Theorie, sondern der erste Dreh, an dem alles vorbereitet war — und der sich plötzlich entspannt anfühlte. Seitdem ist die Shotlist mein wichtigstes Werkzeug, noch vor der Kamera.
Falls Sie sich von all den Begriffen erschlagen fühlen: Sie müssen nicht alles auf einmal können. Niemand erstellt beim ersten Projekt ein perfektes Storyboard. Fangen Sie mit dem an, was Ihnen einleuchtet — meist ist das die Shotlist —, und ergänzen Sie den Rest, wenn Sie merken, dass er Ihnen fehlt. Vorbereitung ist eine Fähigkeit, die mit jedem Dreh wächst, und die ersten Lücken sind völlig normal.
Wenn Sie das Thema strukturiert und mit konkreten Vorlagen angehen möchten, finden Sie im Filmemachen-Einstiegskurs die Vorbereitung als Teil eines kompletten Wegs von der Idee bis zum fertigen Film. Aber ganz ehrlich: Anfangen können Sie auch heute schon — mit einem Blatt Papier und Ihrer Idee.
