Einmaleins üben ist nicht nur etwas für Zweitklässler — viele Erwachsene haben Lücken, die sich in wenigen Wochen schließen lassen. Eine ehrliche Anleitung aus eigener Übungspraxis.
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Einmaleins üben als Erwachsener: So frischen Sie es auf

Es gibt einen Moment im Erwachsenenleben, in dem einem bewusst wird, dass man das kleine Einmaleins nicht mehr richtig beherrscht. Bei mir war dieser Moment, als mein Neffe — damals acht Jahre alt — mich bei einer Hausaufgabe nach 7 · 8 fragte, und ich eine halbe Sekunde zu lange gebraucht habe. Er hat es gemerkt. Ich habe es gemerkt. Und von diesem Tag an hatte ich ein Projekt: einmaleins üben, aber diesmal richtig.

Dieser Artikel fasst zusammen, was ich über drei Monate systematischer Auffrischung gelernt habe — nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Umwege. Wer als Erwachsener das Einmaleins auffrischen will, sollte wissen: Es geht schneller, als man denkt, aber es braucht Disziplin über wenige Wochen hinweg. Kein Talent, keine besondere Begabung. Nur die richtige Methode und das Verständnis, dass das Gedächtnis für Zahlenreihen mit etwas Übung zuverlässig wieder anspringt.

Warum das Einmaleins im Erwachsenenalter wichtig bleibt

Die ehrliche Antwort: Weil fast jede Kopfrechenaufgabe irgendwo das Einmaleins berührt. 15 % Trinkgeld auf 80 € sind 12 € — dazu muss ich 8 · 15 im Kopf haben, und das funktioniert nur, wenn ich die Multiplikationstafel sitzen habe. Rabatte, Stückpreise, Mengenumrechnungen, Zinsen: Überall steckt das Einmaleins drin. Wer es nicht sicher beherrscht, greift reflexhaft zum Smartphone-Rechner, auch bei Aufgaben, die man in drei Sekunden im Kopf lösen könnte.

Ich war ehrlich überrascht, wie viel Zeit ich mit dem Nachschauen trivialer Produkte verbracht habe, bevor mir das auffiel. Nach der Auffrischung ist meine Einkaufsgeschwindigkeit hochgegangen — nicht weil ich schneller laufe, sondern weil ich im Supermarkt nicht mehr ständig hängenbleibe, um „ist das jetzt das günstigere Angebot?“ auszurechnen. Das klingt banal, aber im Alltag summiert es sich spürbar.

Dazu kommt ein zweiter, stillerer Vorteil: Wer das Einmaleins automatisch abrufen kann, hat beim Denken mehr Kapazität für das eigentliche Problem. Wenn Sie bei einer Rabattberechnung erst 6 · 7 zusammenrechnen müssen, geht der Kopf nicht mehr parallel mit. Einmaleins automatisiert bedeutet: Das Gehirn denkt über die Aufgabe nach, nicht über die Zwischenschritte.

Welche Reihen sind am schwersten?

Glatte Kieselsteine in einem gleichmäßigen Raster auf einem Leinentuch angeordnet

Ich habe während meines Auffrischungsprojekts Buch geführt, welche Produkte ich wie oft falsch hatte. Das Ergebnis war überraschend eindeutig: 7 · 8 und 6 · 7 waren die häufigsten Wackelkandidaten — und das deckt sich mit dem, was Mathematikdidaktiker seit Jahrzehnten berichten. Die mittleren Reihen (6, 7, 8) sind schwieriger als die randständigen (2, 5, 10), weil sie weder durch einfache Verdopplung noch durch Stellenwertverschiebung zu erreichen sind.

Die 2er-Reihe ist pure Verdopplung. Die 5er-Reihe endet immer auf 0 oder 5. Die 10er-Reihe ist ein angehängtes Komma bzw. eine angehängte Null. Die 9er-Reihe hat einen charmanten Trick, den ich als Kind nie richtig verinnerlicht hatte: Die Quersumme ist immer 9 (9 · 3 = 27, 2 + 7 = 9; 9 · 7 = 63, 6 + 3 = 9), und die Zehnerstelle ist immer eins kleiner als der Multiplikator (9 · 7 = 63 — die Zehnerstelle 6 ist 7 − 1). Das macht die 9er-Reihe zur heimlichen Lieblingsreihe vieler Erwachsener.

Die 6er-, 7er- und 8er-Reihen bieten solche Tricks nicht. Hier hilft nur direkte Memorierung — und die Erkenntnis, dass man durch die Kommutativität der Multiplikation die Hälfte der Arbeit spart. 7 · 8 ist dasselbe wie 8 · 7. Wer eine Richtung sicher hat, hat beide. Das halbiert die Menge der zu lernenden Produkte effektiv.

Die Methode, die funktioniert

Nach einigem Ausprobieren bin ich bei folgender Methode gelandet: Eine Reihe pro Woche, laut aufgesagt, fünfmal täglich je eine Minute. Montag bis Sonntag die 6er-Reihe, die Woche darauf die 7er, dann die 8er. In drei Wochen hat man die drei schwierigen Reihen sitzen. Die übrigen Reihen sind bei den meisten Erwachsenen schon vorhanden oder lassen sich in wenigen Tagen auffrischen.

Das laute Aufsagen ist ausdrücklich wichtig. Stilles Lesen funktioniert nicht — ich habe es zuerst probiert, und die Ergebnisse waren mager. Sobald ich angefangen habe, die Reihen halblaut auf dem Weg zur Bibliothek zu sprechen (gelegentlich zum verwunderten Blick anderer Fußgänger), saßen die Produkte innerhalb weniger Tage. Das hat mit der Art zu tun, wie das Gedächtnis akustische und sprachliche Muster verarbeitet: Eine Zahlenreihe, die rhythmisch gesprochen wird, verankert sich anders als eine, die nur gelesen wird.

Für die Prüfung des Lernstands hilft ein einfacher Selbsttest: Schreiben Sie zehn zufällige Einmaleins-Aufgaben auf ein Blatt (z. B. 7·6, 8·9, 6·4, 9·7, 3·8, 8·8, 7·7, 4·6, 6·9, 7·3) und rechnen Sie sie mit Zeitnahme. Ziel: unter 30 Sekunden für alle zehn. Wer das schafft, hat das Einmaleins sicher. Wer 60 Sekunden braucht, sollte weiter üben.

Eine andere Technik, die mir geholfen hat: die Karteikartenmethode. Auf kleine Karten schreiben Sie vorne die Aufgabe (z. B. „7 · 8 =“) und hinten das Ergebnis. Jede Karte, die Sie richtig beantworten, wandert in ein Fach „morgen wieder“. Jede falsche Karte landet in „heute noch einmal“. So konzentrieren Sie sich automatisch auf die Lücken, statt immer wieder die Reihen abzuspulen, die ohnehin sitzen. Das Prinzip stammt aus der Leitner-Methode, die bei vielen Gedächtnisaufgaben funktioniert — ich habe sie ursprünglich beim Vokabellernen kennengelernt und war erstaunt, wie gut sie auch bei Zahlen funktioniert.

Was tun, wenn die 7er-Reihe einfach nicht sitzen will?

Holz-Lernkarten zum Einmaleins, aufgefächert auf einem hellen Holztisch mit einer Tasse Kaffee

Wenn eine bestimmte Reihe — meistens die 7er — nach zwei Wochen immer noch wackelt, hilft ein anderer Zugang: Umweg über benachbarte Zahlen. 7 · 8 fällt Ihnen nicht ein? Dann rechnen Sie 7 · 10 = 70, minus 2 · 7 = 14, also 56. Umständlich, aber zuverlässig — und mit der Zeit schrumpft dieser Umweg zu einem Reflex. Das ist kein Schummeln; es ist eine legitime Kopfrechenstrategie, die auch viele „Rechengenies“ benutzen.

Ein anderer Zugang ist die Zerlegung in einfache Faktoren. 6 · 8 ist dasselbe wie 6 · 4 · 2. Wer die 4er-Reihe sicher hat (6 · 4 = 24), kann die 48 im nächsten Schritt leicht im Kopf bilden (24 · 2). Ähnlich für 7 · 8: Das ist 7 · 4 · 2 — also 28 · 2 = 56. Diese Tricks sind eigentlich nur für den Übergang gedacht. Ziel ist, die Ergebnisse irgendwann direkt abzurufen, nicht herzuleiten.

Ich persönlich finde, dass die 7er-Reihe zu Unrecht einen schlechten Ruf hat. Sobald man sie einmal eine Woche lang konsequent geübt hat, sitzt sie. Das Problem ist nicht die Schwierigkeit, sondern die Tatsache, dass sie in der Schule oft unterbetont wird — und im Erwachsenenalter niemand mehr nachfragt, ob sie noch sitzt. Wer das Thema ernst nimmt, hat nach sieben Tagen Frieden mit ihr.

Wenn Sie parallel auch das Kopfrechnen allgemein trainieren möchten, passt das gut zum Einmaleins-Üben: Der Ratgeber zu Kopfrechnen-Übungen geht die systematischen Trainingsmethoden für Addition, Subtraktion und Prozente durch. Und wer die Grundrechenarten insgesamt auffrischen möchte, findet im Bruchrechnen-Ratgeber den nächsten logischen Schritt — das Einmaleins ist die Grundlage für das Multiplizieren von Brüchen.

Hilfreiche Ressourcen zum Üben

Für das Selbststudium gibt es im Netz mehr gute Ressourcen, als man für ein eigentlich „kindliches“ Thema vermuten würde. Besonders hervorheben möchte ich die Übungen vom Grundschulkönig — trotz des Namens sind die Arbeitsblätter auch für Erwachsene sehr gut geeignet, weil sie strukturiert nach Reihen und Schwierigkeitsgraden sortiert sind. Wer Videoerklärungen bevorzugt, findet bei Lehrer Schmidt kurze, klare Erklärvideos zu jeder Reihe einzeln.

Eine letzte Empfehlung, die für mich persönlich entscheidend war: Üben Sie das Einmaleins nicht statt anderer Tätigkeiten, sondern parallel zu ihnen. Wartezeiten im Supermarkt, im Wartezimmer, in der Bahn — das sind ideale Mini-Übungsphasen. Fünf Aufgaben im Kopf, dreißig Sekunden, und weiter im Alltag. Nach drei Wochen spüren Sie den Unterschied.

Und wenn Sie das Thema strukturiert von Grund auf lernen möchten, werfen Sie einen Blick auf unseren Mathematik-Einstiegskurs. Einen umfassenderen Überblick über die mathematischen Grundlagen insgesamt finden Sie in unserem Ratgeber Mathematik für Anfänger.

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